ES LEBE DER EROSOPH.

In memoriam Ferdinand Fellmann (1939-2019)

 

Vor einigen Tagen erhielt ich die Nachricht vom plötzlichen Tod meines philosophischen Lehrers Ferdinand Fellmann. In Erinnerung an ihn möchte ich all jenen, die auf diese Seite geraten sind, sein Buch „Der Erosoph. Eine philosophische Autobiographie“ (Würzburg 2019), zur Lektüre ans Herz legen. Fellmann sah sich selbst als Lebensphilosoph - und aus jahrzehntelanger Erfahrung mit ihm würde ich sagen: Ja, das war er tatsächlich! Was es bedeutet, aus dem Lebensgefühl heraus zu philosophieren, ist in seinem letzten und persönlichsten Buch mit Händen zu greifen. 

 

Und noch etwas wird beim Blick auf Fellmanns Werk im Ganzen deutlich: Man muss, bis zuletzt, in die unaufhebbare Ambivalenz des Lebens verliebt sein, um den Titel eines Philosophen wirklich zu verdienen. Ferdinand Fellmann, "der Erosoph",  war von dieser Lebensliebe tief durchdrungen; und seine Schriften zeugen davon ebenso wie die mir erinnerlichen Züge seiner Person. Er war, ich sehe ihn vor mir, streitlustig, entlarvend, dabei aber niemals zynisch oder auf triviale Weise 'kritisch'; er war phantasievoll, eigensinnig und auch etwas verrückt, dabei aber nie großspurig, irrational  oder 'visionär'; sein Denkstil war klassisch, bildungsgesättigt und 'old school', wirkte aber zugleich mutiger und vielseitiger als derjeinge mancher philosophischer Newcomer. Fellmann hatte ein hintergründiges Charisma, etwas zugleich Zwingendes und Ausgleichendes. Vor allem aber merkte man ihm stets seine Vitalität und Lebensfreude an: Eben noch griesgrämig wie sein philosophischer Leitstern Arthur Schopenhauer dreinschauend, konnte er schon im nächsten Moment die Situation durch eine Art heitere Primitivität auflockern. Wo Fellmann auftauchte, war immer was los, langweilig war es nie. Und ich vermute, dass selbst Kollegen, die ihn als Störenfried wahrnahmen, jene schillernde Kraft geschätzt haben, über die Ferdinand Fellmann verfügte - und ohne die gelebtes Philosophieren nicht vorstellbar ist.

 

Der Eros zwischen Mann und Frau: Das war Fellmanns Thema! Es hat sehr lange gedauert, bis er sich durch Phänomenologie; Hermeneutik und Lebensphilosophie hindurchgearbeitet hatte, um endlich - in den Chemnitzer Jahren (1993-2005) - bei seiner Paar-Anthropologie anzukommen. Deren grundlegende Idee lautet, dass die wesentliche menschliche Lebensform nicht das individuelle oder gesellschaftliche Dasein ist, sondern das Leben zweier Menschen, die sich lieben - und aus deren Zusammenleben weiteres Leben hervorgeht. Auch in Fellmanns früheren Büchern ist das Philosophieren aus dem Lebensgefühl zwischen den Zeilen immer schon spürbar. Doch sein Buch über "Das Paar. Eine erotische Rechtfertigung des Menschen" (2005; 2013) ist zweifelsohne das Hauptwerk. In ihm ist die Zeitlosigkeit von Fellmanns Anthropologie besonders klar zu erkennen.

 

Auch wenn ich es als Schüler nicht immer leicht bei ihm hatte, bin ich dankbar, dass ich eine Strecke meines geistigen Weges mit ihm zurücklegen durfte. Des Öfteren sagte er zu mir: "Rölfchen, Kopf hoch, das Leben geht weiter!" Damit hatte er natürlich Recht. Und so werde ich die Fackel des philosophischen Eros, die Ferdinand Fellmann in mir entzündet hat, in meinen philosophischen Arbeitskreisen weitergeben.

 

Marburg, im November 2019

 

 

 

 

 Veranstaltungen 2. Halbjahr 2019

 

 

Universität Mainz (WS 2019/20)

 

Vorlesung: Wahrheit und Wirklichkeit in den Wissenschaften 

(Studium generale)

 

Seminar: Die Philosophie Nietzsches

(Studieren 50plus)

 

 

 

VHS Marburg (WS 2019/20)

 

Geschichte der Philosophie (Teil V):

Philosophie der Aufklärung: Rousseau, Hume, Kant

Mittwoch, 18.00-20.00 Uhr

Zeitraum: 04.09. - 18.12. 2019 (14 Termine)

 

Philosophie am Vormittag:

Die Philosophie Nietzsches

Freitag, 11.00-12.30 Uhr

Zeitraum: 06.09. - 20.12.2019 (14 Termine)

 

Anmeldung jeweils direkt über die VHS Marburg.

 

 

 

Studienhaus Marburg

(Theologisches Studienzentrum)

 

Seminar: Philosophie der Antike

Mittwoch, 15.00-16.30 Uhr

Zeitraum: 16.10.2019-12.02.2020